Aussagepsychologie Hamburg & Berlin
Anwalt spezialisiert auf
Aussagepsychologie und
Aussage gegen Aussage
in Hamburg, Berlin und bundesweit
Die Aussagepsychologie ist ein Teilbereich der forensischen Psychologie, der sich mit der Analyse und Bewertung von Zeugenaussagen beschäftigt. Sie spielt eine zentrale Rolle in der Rechtsprechung, da sie hilft, die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu beurteilen und damit zur Wahrheitsfindung beizutragen. In diesem Artikel finden Sie Informationen zu den Grundlagen, Methoden und der praktischen Bedeutung der Aussagepsychologie.
Die Aussagepsychologie beschäftigt sich mit der Frage, unter welchen Bedingungen eine Aussage als glaubhaft einzustufen ist und welche Faktoren die Erinnerungsleistung und Aussagequalität beeinflussen können. Sie untersucht, wie Menschen Erlebnisse erinnern, berichten und ob dabei Verzerrungen oder bewusste Falschaussagen vorliegen.
Ein zentrales Konzept ist die Unterscheidung zwischen Wahrnehmung, Speicherung und Abruf von Erinnerungen. Menschen nehmen Ereignisse subjektiv wahr, speichern sie individuell ab und rufen sie je nach Kontext unterschiedlich ab. Dabei können Fehler auftreten, etwa durch Suggestion, Vergessen oder bewusste Manipulation.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Unterscheidung zwischen absichtlichen Lügen und unbewussten Verfälschungen. Während Lügen meist zielgerichtet sind, können Erinnerungsverfälschungen auch durch psychologische Mechanismen wie den Misinformationseffekt (Beeinflussung durch nachträgliche Informationen) entstehen.
Die Aussagepsychologie verwendet verschiedene wissenschaftliche Methoden, um die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu überprüfen.
Die merkmalsorientierte Inhaltsanalyse ist eine der bekanntesten Methoden zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen. Sie wurde im Rahmen der Statement Validity Analysis (SVA) entwickelt und umfasst folgende Hauptkriterien:
Die Realitätsüberprüfung unterscheidet zwischen tatsächlich erlebten Ereignissen und erfundenen oder falsch erinnerten Erlebnissen. Dabei werden Merkmale wie sensorische Details (Geräusche, Gerüche) oder kontextuelle Informationen (Zeitpunkt, Umgebung) analysiert. Erinnerungen an real erlebte Ereignisse enthalten meist mehr Sinneseindrücke als erfundene Geschichten.
Eine weitere wichtige Methode ist die Anwendung geeigneter Befragungstechniken. Die kognitive Interviewtechnik wurde entwickelt, um die Erinnerungsleistung zu maximieren, indem sie den Zeugen dazu anregt, sich so detailliert wie möglich an das Geschehen zu erinnern. Dazu gehören Techniken wie:
Die Qualität einer Zeugenaussage kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden:
Die Aussagepsychologie hat eine große Bedeutung für die Justiz, insbesondere im Strafrecht, wenn Aussage gegen Aussage steht. Sie hilft, Fehlurteile zu vermeiden, indem sie die Qualität von Zeugenaussagen prüft.
Trotz wissenschaftlicher Methoden gibt es Grenzen. Kein Verfahren kann eine einhundertprozentige Sicherheit über die Wahrhaftigkeit einer Aussage garantieren. Zudem bleibt das Problem der individuellen Unterschiede in der Erinnerungsfähigkeit.
Ein weiteres Problem ist die mögliche Beeinflussung durch Ermittler oder Gerichte, die unbewusst Erwartungen an eine Aussage haben. Deshalb ist eine objektive und wissenschaftlich fundierte Analyse und ein spezialisierter Anwalt entscheidend. Dennoch ist die Aussagepsychologie die einzige wissenschaftlich fundierte Methode der Rechtsprechung, um die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu bewerten.